Klangmomente

 
 

An die Musik


Musik: Atem der Statuen. Vielleicht:

Stille der Bilder. Du Sprache wo Sprachen enden.

Du Zeit, die senkrecht steht auf der Richtung vergehender Herzen

Gefühle, zu wem? O du der Gefühle Wandlung in was?
In hörbare Landschaft.

Du Fremde: Musik. Du uns entwachsener

Herzraum. Innigstes unser,

das, uns übersteigend, hinausdrängt,

heiliger Abschied:

da uns das Innre umsteht

als geübteste Ferne, als andere

Seite der Luft:
rein,

riesig,

nicht mehr bewohnbar.

Rainer Maria Rilke

28.9.16 14:59, kommentieren

Dreiunddreißigster Moment: Es gibt kein Falsch oder Richtig oder ohne Risiko geht’s nicht

Es gibt Menschen, die lieben die Bühne. Sie genießen es (vielleicht brauchen sie es auch), ihre Kunst dort zu präsentieren. Wollen bewusst oder unbewusst den Rest der Menschheit daran teilhaben lassen. Oder sind der Meinung: diese Kunst bzw. Musik muss in die Welt. Das ist wunderbar, unbestritten! Daneben aber existiert die Liga der "heimlichen" Künstler oder Kunstliebhaber oder Kunst-ausführer, die versuchen, ihre "Kunst" bzw. Musik für sich selbst zu praktizieren und tunlichst die Öffentlichkeit meiden. Weil für sie eine Bühne einem Problem gleichkommt (manchmal reicht schon der Musiklehrer, der zur Öffentlichkeit wird). Was nicht bedeutet, dass diese stillen Instrumentalisten schlechte Musiker sein müssen. (Ob guter oder schlechter Musiker, ist sowieso eine Frage des Anspruchs und der Betrachtungsweise...) Sie scheuen sich nur, vor denen zu spielen, von denen sie glauben, dass diese es besser können. Und das ist kein singuläres Phänomen. Manchmal lassen diese Hemmungen selbst bei nah vertrauten Menschen das wahre "Ich" beim Spiel auf der Strecke bleiben. Das passiert so: Die stillen Musiker versuchen, den "sicheren" Weg einzuschlagen, indem sie die Noten so detailgetreu wie möglich kopieren, weil sie sich dann „sicher“ wähnen. Aber das wird nichts! Eine falsche Sicherheit! Jeder hört, wenn sich der Instrumentalist in seinem Werk nicht fallen lässt und nicht zeigen will; ein Werk ohne Individualität ist wie kein Werk, wie nicht da sein. Nein, hier heißt es – voll auf Risiko – so spielen, wie man meint, fühlt und wie man es kann, egal ob falsch oder richtig, denn die Wahrheit ist: es gibt kein falsch oder richtig in der Kunst bzw. Musik. Wer sein Werk überzeugend vorträgt, dem verzeiht jeder kleine "Änderungen"… Erst mit diesen "Änderungen" ist das Stück individuell geworden und macht den Moment zu einem ganz besonderen, den man großzügig mit den Zuhörenden teilt. Und diese werden es hören und sehr dankbar sein, einer so persönlichen Darbietung beiwohnen zu dürfen. Deshalb also, wagt es Ihr stillen Musiker! Es ist ein Weg, der seine Zeit braucht, aber sich ganz sicher lohnt. Letztlich könnte es sich verdammt gut anfühlen…

1 Kommentar 17.9.16 19:03, kommentieren

Ein kleines Wort...

Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist. Victor Hugo

1 Kommentar 12.9.16 15:50, kommentieren

Zweiunddreißigster Moment: Warum nur „ziellose“ Musik aus Kindern Musikliebhaber macht


Halten Sie sich für unmusikalisch? Wenn ja, dann erzählen Sie das bloß nicht ihren Kindern (falls Sie welche haben) – es stimmt nicht! Die Wahrheit ist nämlich: Es war Ihnen -aus welchen Gründen auch immer- einfach nur nicht vergönnt, Ihre (garantiert) in Ihnen steckende Musikalität zu entwickeln, und so ist sie ein wenig auf der Strecke geblieben. Das muss aber nicht heißen, dass es Ihren Kindern genauso ergehen muss.  Eltern müssen nicht singen können, sollten dies aber ihren Kindern zuliebe ruhig trotzdem tun. Keine Angst, Ihr Kind wird Sie schon korrigieren. Und nebenbei passiert es von ganz allein, dass die Kleinen eine Beziehung zur Musik aufbauen – und die Ihrige wird dabei noch einmal erneuert. Es ist allgemein bekannt, dass Babys bereits durch Musik zu Aktionen animiert werden. Es ist weiterhin nichts Neues, dass Musik Verhaltensweisen begünstigt…und so könnte man die Aufzählung fortsetzen.... Diesen pädagogisch-theoretischen Teil können Sie überall nachlesen. Aber Musik schafft viel mehr – sie macht Spaß, motiviert, entschärft, besänftigt, jubelt, animiert, begünstigt kreatives Potenzial und bringt dabei ganz nebenbei die zahlreichen sozialen, pädagogischen, kognitiven und was auch immer für Vorteile mit sich. Aber eins ist klar für alle Menschen, ob groß oder klein: die Motivation muss von innen herauskommen, nichts kann erzwungen werden. Musisches Talent bei den Kleinen gibt ehrgeizigen Eltern noch lange nicht das Recht, aus Ihren Sprösslingen mit aller Macht Musikstars zu machen (es sei denn, diese wollen das selbst). Sollten Eltern dies dennoch versuchen, so erreichen sie oftmals eher das Gegenteil und verleiden dem Kind die Musik. Äußert das Kind von selbst den Wunsch, ein Instrument spielen zu dürfen, so sollte man diese Chance ergreifen und dies ihm ermöglichen. Was die Wahl des Instruments betrifft, so kann man sich – soweit von körperlichen Gegebenheiten möglich (manche Instrumente sind aufgrund der körperlichen Entwicklung erst ab einem bestimmten Alter möglich, beispielsweise Klarinette) – ruhig auf das Kind verlassen. Und so schön das alles ist, Höhen und Tiefen bleiben nicht aus – besonders dann, wenn es an das Üben geht. Kein Kind (oder sagen wir: die wenigsten) übt immer freiwillig und ausgiebig. Aber auch hier gilt: Nichts zu sehr. Weder in die eine noch in die andere Richtung. Gar nicht üben funktioniert auch nicht. Jedes Kind muss selbst die Erfahrung machen, dass Erfolg nicht von selbst kommt. Und dass das Üben etwas bringt. Das bedeutet aber auch nicht, dass es jetzt immerzu üben sollte. Lieber kürzer üben, aber dafür öfters. Heißt: vielleicht zehn Minuten am Tag, dafür aber jeden Tag versuchen. Noch wesentlicher als die künstlerischen Aspekte sind im Zusammenhang mit den Jüngsten die menschlichen: beispielsweise ein guter Draht zum Musiklehrer. Schafft dieser es, neben dem Engagement der Eltern, die Musikliebe beim Kind einmal zu wecken, so bleibt diese erhalten und dient dem Kind als Motivation zur musikalischen Weiterentwicklung. Fast von ganz allein. Denn Musik gehört zu unserer Natur, dies beginnt im Mutterleib und endet im Grab. Babys im Bauch können bereits Tonhöhen, Rhythmen, Klänge und Melodieverläufe differenzieren und zuordnen. Bereits nach einigen Monaten im Mutterleib ist die Entwicklung der Hörfähigkeit zu großen Teilen abgeschlossen; nun wird sie durch Hörerlebnisse kontinuierlich vorangetrieben; oder eben nicht, wenn diese Hörerlebnisse ausbleiben. Das ist dann die Aufgabe der Eltern, dafür zu sorgen, dass das Kind zu seinen Hörerlebnissen kommt. Jedoch Vorsicht, Musik soll nicht „nur“ nützen. Moderne Erziehungsmethoden neigen dazu, den Wert der Musik in vielerlei Dingen zu sehen (wie: Musik macht schlau, fördert das Sprachvermögen und die Lesefähigkeit, das Rechnen etc ) aber nicht die Musik als eigenen Wert an sich. Wenn Musik „nur“ zur Wissenserziehung dient, wird sie nicht das vermitteln, was sie in sich birgt, das, was man nicht sieht, sondern fühlt und das, was ihren Wert ausmacht. Das Kind darf (muss) dabei Spaß haben und sich wohl fühlen, das sollte die Hauptsache sein. Der „Rest“ passiert ganz von selbst. Denn am schönsten ist es, wenn ein Kind die Musik selbstständig lieben lernt, weil es, angetan durch ihre Faszination, motiviert ist, sich mit Musik zu beschäftigen. Und weil es einfach Freude daran hat. Dann lernt es auch, die erfahrenen musikalischen Inhalte zu verknüpfen und anzuwenden. Und wird nebenbei auch noch schlau…ganz ohne Drill.

4.9.16 17:55, kommentieren