KlangFarbmomente

 
 

Achtunddreißigster Moment: Die Sprache der Bilder und die Musik, die in ihnen wohnt

Bilder haben ihre eigene Sprache, das ist nichts Neues. Sie erzählen eine Geschichte, manchmal die ihres Schöpfers, manchmal auch eine andere. Sie sind immer ein Ausdruck der Schaffenskraft des Malers. Verweilt man vor einem Bild, um es eingehender zu betrachten, hat es bereits sein Werk getan. Egal, ob man es "häßlich" oder "schön" findet, es hat irgendetwas ausgelöst. Etwas, das zum Nachdenken angeregt hat, das vielleicht wieder andere Bilder beim Betrachter erzeugt, die ihn vielleicht an irgendetwas erinnern oder in denen er sich selbst findet. Theoretisch kann ein Bild nicht häßlich oder schön sein, sondern nur wirkungslos oder eben nicht wirkungslos. Entscheidend ist die Idee, der Gedanke, der dahintersteckt. Und ob man es schafft, dies auszudrücken. Das erklärt auch, warum so manches Mal auch Bilder von "Nicht-Malern" oder einfache Bildkonstruktionen sehr beeindruckend sein können. Zugegeben, das Optimum ist natürlich schon eine grandiose Idee, deren stimmungsvolle Umsetzung gepaart mit "handwerklichem" Können und künstlerischem Geschick. Gelernt ist gelernt, das will hier niemand beschreiten. Aber wichtig ist die ehrliche Leidenschaft, die dahintersteckt. Denn diese spürt der Rezipient, ob er will oder nicht. Das ist wie in der Musik. Auch hier nimmt der Hörer die Leidenschaft in der Musik wahr, die dann so etwas wie innere Bilder erzeugt. Und der Hörer bemerkt genauso, wenn die Leidenschaft fehlt. Dann bleibt nämlich alles leer. (Nicht nur das nächste Mal der Konzertsaal). Musik erzeugt also Bilder, die in uns sind. Uns an etwas erinnern, uns etwas vorstellen lassen, uns zum Träumen anregen. Wenn dies passiert, empfinden wir die Musik als schön. Man könnte die Sache auch einmal aus der Sicht der Bilder betrachten. Sie erzeugen auch etwas in uns, Empfindungen, Gedanken, Vorstellungen – aber vielleicht auch Klänge. Ja, es ist durchaus so, dass Bilder Musik erzeugen können. Oft werden Ausstellungen musikalisch untermalt (sicherlich in erster Linie zur Unterhaltung), aber diese Klänge können uns beeinflussen beim Betrachten der Bilder, ähnlich wie Musik bei Filmen, die die Dramatik oder Komik bestimmter Situationen noch einmal mehr betont. Nun, das ist auch nicht neu (Das erlerne man bereits im Unterricht der sechsten Klasse! hat mir einmal jemand erklärt, wie ich denn dies nicht wissen könnte! Aber es geht nicht nur im wissen, sondern auch um fühlen. Da wäre es schade, wenn man nichts mehr neu entdecken könnte.) Wie dem auch sei, wir können dieses Phänomen auch "andersherum" erleben, man muss sich nur darauf einlassen. Bilder können nicht nur wieder innere Bilder, sondern auch innere Melodien erzeugen. Vielen ergeht es oft so, dass sie mit einem bestimmten Bild auch eine spezielle Musik assoziieren. Eine Art innere Musik, die gegebenenfalls genauso dieses Bild erzeugen könnte, das man in diesem Moment vor sich hat. Probiert es einmal aus!

8.1.17 11:58

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