KlangFarbmomente

 
 

Sechster Moment: Omnivores oder die Suche nach dem guten Geschmack

Schon einmal etwas von den sogenannten „Omnivores“ gehört? Das soll ein ganz neuer Typus Musikhörer sein. Das hat das Max-Planck-Institut festgestellt. Es handelt sich dabei um sogenannte „Allesfresser“, deren Musikgeschmack neben ihrem Schwerpunkt auf „anspruchsvoller Musik“ wie Klassik und Jazz, durch viele unterschiedliche musikalische Stile geprägt wird. Traditionell wurde Musikgeschmack in gewisser Weise als schichtabhängig betrachtet: die „Elite“ genießt Klassikkonzerte, die „Mittelschicht“ hört gehobene Unterhaltungsmusik und die „Unterschicht“ konsumiert Schlager und Volksmusik. Es ist schön, dass sich diese ein wenig grobe Klassifizierung nach und nach aufzulockern scheint und unser Musikgeschmack zunehmend durch die intensive Beschäftigung mit Musik immer unabhängiger vom Herkunftsmilieu wird. Natürlich ist unser Musikgeschmack nach wie vor dadurch beeinflusst, was wir aus der Kinderzeit kennen und im Elternhaus gehört haben. Aber durch eine regelrechte Klang-Überflutung scheinen wir uns zuweilen zu verlieren und die Frage nach dem guten Musikgeschmack auch. Das Problem dabei ist, dass es leider viel zu viel „schlechte“ Musik zum „Konsumieren“ gibt, die offenbar viel zu sehr den öffentlichen Geschmack bestimmt. Und es ist immer einfacher, sich diesem Geschmack zu beugen. Denn „gute“ Musik fordert Auseinandersetzung, Zeit und Aufmerksamkeit, die man ihr widmen muss. (Hier denken wir an Consuelo.) Wie eine Pflanze, die ihre Reifezeit benötigt. Musik ist eben nicht nur Konsum. Viele gepriesene eingängige Melodien erleben zunächst große Erfolge, verschwinden dann aber vollends in der Versenkung. Kein Wunder, ihnen fehlt das Nachhaltige, die Komplexität, die Raffinesse, die investierte Mühe, das, was sie unvergänglich macht. Durch den Irrgarten der vorhandenen Masse an angebotener Musik suchen wir oftmals gar nicht mehr nach diesem „Unvergänglichen“. Ja, leider ist dem so: „Vollends Menschen, die mit Musik überflutet werden, ohne durch Tradition oder spezifische Bildung darauf vorbereitet zu sein, orientieren sich an der öffentlichen Meinung“ (Adorno: Einführung in die Musikpsychologie), die eben, wie bereits erwähnt, leider nicht zwangsläufig den guten Geschmack repräsentiert. Viel zu viele von uns begnügen sich damit. Dabei ist doch die Musik ein Spiegel unseres Selbst. Das, was wir mögen, zeichnet uns aus, offenbart unser Innerstes. Zeigt, wer wir sind. Also Vorsicht und vor allem Weitsicht bei der Sache mit dem Geschmack!

15.2.16 15:07

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Analina (16.2.16 16:14)
Ja, so ein "like" ist schnell gesetzt und schon ist man geoutet!!!

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