KlangFarbmomente

 
 

Siebenter Moment: Eine schwere Mission, das Wesentliche oder warum wir einfach nur zuhören müssen

Musiker haben es nicht einfach. Sie buckeln eine Last von Verantwortung: Denn sie beeinflussen erheblich unsere Geschmacksbildung. Wahrscheinlich ist dies vielen von uns, aber auch vielen von ihnen gar nicht so bewusst. Als Missionare der Musik müssen sie uns mit ihren Melodien unterhalten und dabei eine Botschaft übermitteln – um dem Anspruch, mit ihrer Musik mehr als nur bloße Unterhaltung zu liefern, gerecht zu werden. Wenn ihre Musik uns vereint, kollektiviert, verbündet und erfreut und uns gleichzeitig zum Nachdenken anregt, dann hat sie dies geschafft.  Aber das passiert nur, wenn sie uns „auf einer höheren Ebene etwas über das Leben erzählt“, wie der Schweizer Dirigent und Musikdirektor der Pariser Oper und Chefdirigent der Wiener Symphoniker, Philippe Jordan, bemerkt. Aber er spannt den Bogen noch weiter, denn er hat noch etwas gesagt: „Musik ist eine Kunst, die uns zum Wesentlichen zurückführt.“ Das ist schön zu hören, gerade in einer Zeit, wo so manches Mal der Blick für das Wesentliche verloren gegangen zu sein scheint. Dabei vereint die Musik zwei unterschiedliche Pole: Materie und Geist. Sie besitzt einen abstrakten Charakter - ein Dreiklang kann nicht direkt eine Blume oder eine Person darstellen - obgleich sie von physischen Elementen wie Instrument oder Stimme erzeugt wird. Ein „begriffloses Wesen“ (Adorno), das uns auf dem Silberteller ungeahnte Möglichkeiten des Ausdrucks serviert, Unsagbarem Ausdruck verleiht. So öffnet sich uns die scheinbar verschlossene Tür zum Wesentlichen ganz von selbst: zum Miteinander in einer gemeinschaftlichen Gesellschaft. Die Musik macht es uns vor, sie hält uns einen Spiegel vor das Gesicht. Das Orchester ist dabei ein Abbild der Gesellschaft: Hier gelten feste Spielregeln, und es besitzt eine definierte Hierarchie. Die Missachtung der Regeln zöge ein grenzenloses Durcheinander, ein Aufeinandertreffen von Disharmonien, eine musikalische Anarchie nach sich! Nur wenn die Orchestermitglieder einander zuhören funktioniert das ganze Gefüge. Und genauso verhält es sich in unserer Gesellschaft. Problem dabei ist nur, dass wir eben oft nicht einander zuhören. Im Unterschied zum Orchester, wo bei Missachtung der Regeln eine unmittelbare Folge in Form von Misstönen offensichtlich wird, zeigt sich in der Gesellschaft oftmals keine unmittelbare Reaktion. Die Disharmonien bleiben leise Töne, die erst nach vermehrten Auftreten wahrgenommen werden. Manchmal aber zu spät! Missverständnisse, die hätten vermieden werden können. Dabei ist es so einfach! Darum: Das zweite Zauberwort heißt zuhören. Das tut dem anderen und einem selbst gut. Es kostet nichts. Man muss nicht viel geben, und doch bekommt man viel zurück. Und es schafft ganz neue Eindrücke. 

 

18.2.16 16:13

Letzte Einträge: Aus der Seele..., Musik..., Kleine Änderung

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)

Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)


 Smileys einfügen