KlangFarbmomente

 
 

Neunundzwanzigster Moment: Auf der Suche nach einer „konkreten Musik“ oder Die Dauerschleife. Teil1

..Ein Ton allein macht noch lange keine Musik...zwei Töne sind auch noch immer kein Lied..“ so oder ähnlich heißt es in einem Kinderlied. Die bloße Existenz eines einzelnen Tons bedeutet also noch nicht Musik - erst mehrere Töne bilden eine Musik. So betrachtet ist sie eine Aneinanderreihung von Tönen, deren wesentliches Werkzeug die menschliche Stimme oder ein Instrument sind. Diese erzeugen einen Klang. Der offene und ungezwungene Zugang zu den Klängen ist eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen der Musik und dafür, wie sie aufgenommen wird. Denn Wahrnehmung und Hören werden durch ein bestimmtes Klangverständnis beeinflusst. Es ist einfacher als man denkt: Klänge finden wir überall, im Alltag, als simples Geräusch wie Tellerklappern. Atmen. Fahrzeuglärm. Stimmengewirr auf großen Plätzen. Warum nicht daraus Musik machen? Das sagte sich auch der französische Komponist, Schriftsteller und Ingenieur Pierre Schaeffer (1910-1995) und prägte seinerzeit dafür den Begriff der „musique concrète“. Er verfolgte das Ziel, eine aus konkretem Klangmaterial erstellte Musik zu verwirklichen, vollkommen anders und losgelöst von den herkömmlichen Kompositionen, die mittels Noten festgehalten wurden. Da Schaeffer Musik in erster Linie als Wahrnehmung begriff, die „in Klangwesen Gestalt annimmt“(Schaeffer, Pierre. Die musikalische Forschung, Kapitel 4, Klett Stuttgart ) , war für ihn klar, dass er sich für die Umsetzung seiner Musik am direkten Hören orientieren musste. Er experimentierte mit Alltagsgeräuschen, indem er diese auf Schallplatte und Tonband aufnahm, verfremdete und zu neuen Klangkompositionen zusammensetzte. Hierbei arbeitete er mit einem Phonographen, einem Gerät, dass Schallplattenrohlinge mit klanglichen Informationen beschreibt. Eines Tages verschloss Schaeffer versehentlich beim Beschreiben einer Platte eine Rille, und so verfing sich die Nadel darin und konnte ihre gewohnten nach Innen-Bewegungen nicht mehr ausführen. Folglich wiederholte sich das in dieser Rille eingeschlossene Fragment immer wieder – et voila -  das war die Geburt der Dauerschleife! So konnte er einen kurzen Abschnitt immer wieder in Dauerschleife hören. Das gab ihm die Möglichkeit, bessere Analysen im Hinblick auf klangliche Nuancen wie beispielsweise Tonhöhe und Timbre zu erstellen. Jene „loop“ wird heute millionenfach in der Techno- und House-Musik angewendet.

22.7.16 22:36

Letzte Einträge: Aus der Seele..., Musik..., Kleine Änderung

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Dorehn (29.7.16 08:39)
...und John Cage "trieb es auf die Spitze" mit seiner 4min33sec - Komposition. Hochinteressant - da ja "ohne Klang" es um das von außen Einwirkende ging, um die "geräuschhaften (klingenden)" Reaktionen der "Hörenden"...

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)

Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)


 Smileys einfügen